Das Knacken der Finger würde Arthrose verursachen. Ein knirschendes Knie wäre zwangsläufig abgenutzt. Eine Schulter, die während einer Überkopfpresse knackt, würde eine Verletzung ankündigen… Gelenkknacken ist von zahlreichen Mythen umgeben, die Sportler oft beunruhigen.
Doch das Geräusch, das ein Gelenk erzeugt, spiegelt nicht unbedingt seinen Gesundheitszustand wider. Ein Gelenk kann jahrelang knacken, ohne die geringste Anomalie aufzuweisen, während ein schmerzendes Gelenk völlig stumm bleiben kann.
Muss man sich also wirklich Sorgen machen, wenn die Gelenke knacken? Lassen Sie uns gemeinsam die wichtigsten Mythen aufdecken.
- Warum ist dieser Mythos so weit verbreitet?
- Mythos Nr. 1: Das Geräusch kommt von reibenden Knochen
- Mythos Nr. 2: Das Knacken verschleißt den Knorpel
- Mythos Nr. 3: Fingerknacken verursacht Arthrose
- Mythos Nr. 4: Ein Gelenk, das knackt, muss ruhiggestellt werden
- Mythos Nr. 5: Ein stilles Gelenk ist zwangsläufig gesünder
- Worauf medizinisches Fachpersonal wirklich achtet
- Was Sie sich merken sollten
Warum ist dieser Mythos so weit verbreitet?
Unser Gehirn assoziiert Geräusche natürlich mit einem mechanischen Problem. Wenn ein Auto quietscht, eine Tür knarrt oder ein Fahrrad Geräusche macht, deutet dies oft auf Verschleiß oder mangelnde Wartung hin.
Wir neigen dazu, diese gleiche Denkweise auf unseren Körper anzuwenden.
Doch ein Gelenk ist kein metallisches Scharnier. Es ist eine lebendige Struktur, die aus Knochen, Knorpel, Bändern, Sehnen und Gelenkflüssigkeit besteht. Jedes dieser Elemente kann während einer Bewegung ein Geräusch erzeugen, ohne dass dies ein Zeichen von Verschleiß ist.
Genau das macht Gelenkknacken manchmal verwirrend: Es beeindruckt mehr, als es über den tatsächlichen Zustand des Gelenks Auskunft gibt.
Mythos Nr. 1: Das Geräusch kommt von reibenden Knochen
Dies ist wahrscheinlich der am weitesten verbreitete Mythos.
Viele stellen sich vor, dass das Knacken dem direkten Kontakt zweier Knochen entspricht. In Wirklichkeit ist dieser Mechanismus bei einem gesunden Gelenk äußerst selten.
In den meisten Fällen stammt das Geräusch von einem Phänomen namens Kavitation.
Die Synovialflüssigkeit, die die Gelenke auf natürliche Weise schmiert, enthält gelöste Gase. Wenn eine Bewegung den Druck im Gelenk schnell ändert, bilden sich kleine Blasen, die fast augenblicklich kollabieren und das berühmte „Knacken“ erzeugen.
Andere Knackgeräusche können auf das Gleiten einer Sehne über einen Knochenvorsprung oder die Verschiebung eines Bandes während einer Bewegung zurückzuführen sein.
Mit anderen Worten, ein Knacken bedeutet nicht, dass die Knochen aneinander reiben.
Das Geräusch stammt meist aus der Gelenkflüssigkeit oder den umliegenden Geweben und nicht von abgenutztem Knorpel.
Mythos Nr. 2: Das Knacken verschleißt den Knorpel
Auch hier sind die wissenschaftlichen Daten beruhigend.
Heute hat keine Studie gezeigt, dass isoliertes Gelenkknacken den Knorpelverschleiß fördert.
Im Gegenteil, ein regelmäßig mobilisiertes Gelenk profitiert von einem Austausch der Synovialflüssigkeit, die zur Ernährung des Knorpels beiträgt.
Knackgeräusche sind übrigens bei Sportlern sehr häufig:
- während einer Kniebeuge;
- bei einem Ausfallschritt;
- bei der Überkopfpresse;
- bei Schulterrotationen;
- oder auch beim Treppensteigen.
Bei einer Person, die keine Schmerzen verspürt, werden diese Geräusche in der Regel als normales physiologisches Phänomen betrachtet.
Das Geräusch schädigt das Gelenk nicht.
Hingegen können eine schlechte Trainingslast, wiederholte Traumata oder bestimmte Krankheiten das Gelenkgewebe tatsächlich beeinträchtigen… auch ohne das geringste Knacken zu erzeugen.
Mythos Nr. 3: Fingerknacken verursacht Arthrose
Dieser Glaube ist so weit verbreitet, dass er fast schon zu einem Erziehungsreflex geworden ist.
Doch trotz jahrzehntelanger Forschung wurde kein Zusammenhang zwischen Fingerknacken und der Entwicklung von Arthrose nachgewiesen.
Die bekannteste Geschichte ist die des amerikanischen Arztes Donald Unger.
Über 60 Jahre lang knackte er bewusst nur die Finger seiner linken Hand mehrmals täglich, ohne jemals die Finger seiner rechten Hand zu knacken.
Am Ende dieses Experiments war kein Unterschied in Bezug auf Arthrose zwischen den beiden Händen festzustellen.
Natürlich ist diese Anekdote allein kein wissenschaftlicher Beweis.
Aber sie illustriert perfekt die Ergebnisse, die in Studien an größeren Populationen gefunden wurden: Fingerknacken erhöht nicht das Risiko, Arthrose zu entwickeln.
Es kann bei manchen Menschen vorübergehend zu Beschwerden führen, aber es gibt keine Beweise dafür, dass es die Gelenke fortschreitend zerstört.
Mythos Nr. 4: Ein Gelenk, das knackt, muss ruhiggestellt werden
Ein Knacken während einer Kniebeuge oder bei einer Überkopfpresse führt oft dazu, die Übung sofort zu unterbrechen. Doch das Geräusch allein ist kein ausreichender Grund, eine Trainingseinheit abzubrechen.
Ein Gelenk ist zum Bewegen konzipiert. Körperliche Aktivität erhält die Beweglichkeit, stimuliert die Zirkulation der Synovialflüssigkeit und trägt zur Stärkung der Muskeln bei, die die Gelenke stabilisieren.
Bei einem gesunden Sportler ist es häufig, dass ein Knie, ein Knöchel oder eine Schulter bei den ersten Aufwärmbewegungen ein Knacken erzeugt. Dieses Phänomen nimmt manchmal sogar im Laufe der Trainingseinheit ab, wenn die Gewebe an Temperatur und Beweglichkeit gewinnen.
Umgekehrt kann das systematische Vermeiden bestimmter Bewegungen aus Angst vor einem einfachen Geräusch dazu führen, dass die Gelenkamplitude und die Qualität der Bewegungen allmählich reduziert werden.
Diese Empfehlung gilt natürlich nur, wenn das Knacken isoliert, schmerzfrei und ohne Funktionsverlust ist.
Bei anhaltenden Schmerzen, Schwellungen oder einem Instabilitätsgefühl ist es ratsam, die Übung abzubrechen und den Rat eines Arztes einzuholen.
Mythos Nr. 5: Ein stilles Gelenk ist zwangsläufig gesünder
Dies ist zweifellos der irreführendste Mythos.
Wir neigen natürlich dazu zu denken, dass ein stilles Gelenk ein perfekt gesundes Gelenk ist.
Doch die Realität ist viel nuancierter.
Ein vollkommen gesundes Gelenk kann jahrelang knacken, ohne jemals schmerzhaft zu werden.
Umgekehrt entwickeln sich bestimmte Gelenkerkrankungen lange Zeit, ohne das geringste Geräusch zu verursachen.
Mit anderen Worten: Stille ist kein Garant für gute Gelenkgesundheit, genauso wenig wie Geräusche ein Zeichen für ein geschädigtes Gelenk sind.
Was wirklich zählt, ist die Fähigkeit des Gelenks, seine Funktion zu erfüllen:
- sich frei bewegen;
- die Belastungen des Alltags oder des Trainings tragen;
- stabil bleiben;
- schmerzfrei sein.
Medizinisches Fachpersonal verlässt sich daher niemals ausschließlich auf das Geräusch, um eine Diagnose zu stellen.
Worauf medizinisches Fachpersonal wirklich achtet
Wenn ein Sportler wegen Gelenkknacken einen Arzt aufsucht, lautet die erste Frage in der Regel nicht:
„Knackt es?“
Sondern eher:
- Ist es schmerzhaft?
- Seit wann?
- Gab es ein Trauma?
- Schwillt das Gelenk an?
- Gibt es einen Beweglichkeitsverlust?
- Ist die Bewegung eingeschränkt?
- Haben Sie ein Blockierungs- oder Instabilitätsgefühl?
Diese Elemente sind viel wichtiger als das Geräusch selbst.
In den meisten Fällen wird ein isoliertes, altes, reproduzierbares und schmerzfreies Knacken als gutartig angesehen.
Ein Knacken hingegen, das plötzlich nach einem Sturz auftritt, begleitet von starken Schmerzen, Schwellungen oder einer Unfähigkeit, das Gelenk normal zu benutzen, erfordert eine medizinische Untersuchung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nicht das Geräusch alarmierend sein sollte, sondern die begleitenden Symptome.
Was Sie sich merken sollten
Knackende Gelenke sind oft beeindruckend… aber selten beunruhigend.
In den meisten Fällen sind diese Geräusche auf vollkommen normale physiologische Phänomene zurückzuführen, wie die Kavitation der Synovialflüssigkeit oder die natürliche Verschiebung einer Sehne oder eines Bandes.
Aktuelle wissenschaftliche Daten zeigen nicht, dass isoliertes Gelenkknacken den Knorpelverschleiß fördert oder das Risiko, Arthrose zu entwickeln, erhöht.
Der wahre Indikator für die Gesundheit eines Gelenks ist also nicht das Geräusch, das es erzeugt, sondern seine Fähigkeit, normal zu funktionieren.
Ein Gelenk, das sich frei, schmerzfrei, ohne Schwellung und ohne Kraftverlust bewegt, ist in der Regel viel beruhigender als ein stilles, aber schmerzhaftes Gelenk.
Mit anderen Worten, bevor Sie sich wegen eines Knackens Sorgen machen, stellen Sie sich eine viel wichtigere Frage:
Tut mein Gelenk weh oder hindert es mich daran, mich normal zu bewegen?
In den allermeisten Fällen lautet die Antwort nein… und das ist wahrscheinlich die beste Nachricht.
Wissenschaftliche Quellen
- Deweber K, Olszewski M, Ortolano R. Knuckle Cracking and Hand Osteoarthritis. Journal of the American Board of Family Medicine. 2011.
- Kawchuk GN et al. Real-time Visualization of Joint Cavitation. PLoS ONE. 2015.
- Unsworth A, Dowson D, Wright V. Cracking joints (Snapping Knuckles) and Cavitation. Annals of the Rheumatic Diseases. 1971.
- Paranjape CS et al. Joint sounds: mechanisms and clinical relevance. Current Reviews in Musculoskeletal Medicine. 2021.