Jedes Mal, wenn über Nahrungsergänzungsmittel gesprochen wird, kommt eine Bemerkung regelmäßig wieder: „Sowieso ist das voller Chemikalien.“
Diese weit verbreitete Annahme stellt oft zwei Welten gegenüber: auf der einen Seite das „Natürliche“, das als gesund wahrgenommen wird, und auf der anderen Seite das „Chemische“, das als künstlich oder gefährlich gilt.
Diese Sichtweise ist jedoch stark vereinfacht.
Tatsächlich besteht alles um uns herum aus chemischen Molekülen, einschließlich der natürlichsten Lebensmittel. Wasser, Proteine, Vitamine, Kohlenhydrate oder Mineralien sind im wissenschaftlichen Sinne alles chemische Substanzen.
Die eigentliche Frage ist also nicht, ob ein Nahrungsergänzungsmittel „chemisch“ ist, sondern vielmehr:
- Was enthält es wirklich?
- Wie ist die Qualität seiner Inhaltsstoffe?
- Wie wurde es hergestellt?
- Wird es in einem relevanten Kontext verwendet?
- Warum ist diese Annahme so weit verbreitet?
- Was bedeutet das Wort „chemisch“ wirklich?
- Was ist ein Nahrungsergänzungsmittel?
- Natürlich und chemisch: Eine falsche Gegenüberstellung
- Warum haben manche Inhaltsstoffe komplizierte Namen?
- Wie erkennt man ein hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel?
- Sind Nahrungsergänzungsmittel reguliert?
- Die häufigsten Missverständnisse
- Was man sich merken sollte
Warum ist diese Annahme so weit verbreitet?
Das Misstrauen gegenüber Nahrungsergänzungsmitteln hat mehrere Ursachen.
Zunächst wird der Begriff „chemisch“ im allgemeinen Sprachgebrauch oft als Synonym für künstlich, industriell oder gefährlich verwendet.
Zweitens haben bestimmte Lebensmittelskandale oder minderwertige Produkte dazu beigetragen, das Misstrauen gegenüber verarbeiteten Produkten zu schüren.
Schließlich gibt es eine Tendenz, natürliche Produkte systematisch synthetisch hergestellten Produkten gegenüberzustellen.
Diese Gegenüberstellung spiegelt jedoch nicht die wissenschaftliche Realität wider.
Eine Substanz ist nicht gefährlich, weil sie „chemisch“ ist, genauso wenig ist sie nützlich, nur weil sie natürlich ist.
Was bedeutet das Wort „chemisch“ wirklich?
In den Wissenschaften ist eine chemische Substanz einfach eine Substanz, die aus Molekülen oder Atomen mit einer definierten Zusammensetzung besteht.
Dies betrifft:
- Wasser;
- Vitamin C;
- Kalzium;
- Proteine;
- Kohlenhydrate;
- Lipide;
- Ballaststoffe.
Mit anderen Worten: Obst, Gemüse, ein Ei oder ein Stück Fleisch bestehen ebenfalls aus chemischen Substanzen.
Der Begriff liefert also absolut keine Informationen über die Qualität oder Sicherheit eines Inhaltsstoffs.
Was ist ein Nahrungsergänzungsmittel?
Ein Nahrungsergänzungsmittel ist ein Lebensmittel, das dazu bestimmt ist, die Ernährung zu ergänzen.
Es handelt sich um eine konzentrierte Quelle von Nährstoffen oder anderen Substanzen mit einer ernährungsphysiologischen oder physiologischen Wirkung.
Je nach Produkt kann ein Nahrungsergänzungsmittel enthalten:
- Vitamine;
- Mineralien;
- Proteine;
- Aminosäuren;
- Fettsäuren;
- Pflanzenextrakte;
- andere behördlich zugelassene Substanzen.
Sein Ziel ist es, einen oder mehrere Nährstoffe in einer praktischen Form bereitzustellen, wenn dies einem bestimmten Bedarf entspricht.
Natürlich und chemisch: Eine falsche Gegenüberstellung
Im Marketingdiskurs werden die Begriffe „natürlich“ und „chemisch“ oft als Gegensätze dargestellt.
Diese Gegenüberstellung hat jedoch wissenschaftlich gesehen keine wirkliche Bedeutung.
Ein Molekül bleibt dasselbe
Nehmen wir das Beispiel von Vitamin C.
Ob es aus einer Frucht gewonnen oder synthetisch hergestellt wird, es handelt sich immer um dasselbe Molekül: Ascorbinsäure.
Der Organismus unterscheidet ein Molekül nicht nach seinem Ursprung, sondern nach seiner chemischen Struktur.
Mit anderen Worten, nur weil ein Nährstoff synthetisch hergestellt wird, wird er nicht automatisch weniger wirksam oder gefährlicher.
Natürlich bedeutet nicht risikofrei
Umgekehrt können einige Naturprodukte Risiken bergen, wenn sie falsch angewendet werden.
Bestimmte Pflanzen können mit Medikamenten interagieren oder unerwünschte Wirkungen hervorrufen.
Die natürliche Beschaffenheit eines Inhaltsstoffs ist daher allein kein Sicherheitskriterium.
Die Sicherheit hängt hauptsächlich von der Substanz, der verwendeten Dosis und den Konsumbedingungen ab.
Warum haben manche Inhaltsstoffe komplizierte Namen?
Viele Verbraucher sind misstrauisch, wenn sie eine Zutatenliste mit wissenschaftlichen Begriffen lesen.
Doch diese Bezeichnungen entsprechen oft einfach dem offiziellen Namen der Moleküle.
Einige Beispiele:
- Ascorbinsäure: Vitamin C.
- Tocopherole: Vitamin E.
- Magnesiumcitrat: eine Form von Magnesium.
- Magnesiumbisglycinat: eine andere Form von Magnesium.
- Sonnenblumenlecithin: ein Emulgator aus Sonnenblumen.
Die Tatsache, dass ein Inhaltsstoff einen wissenschaftlichen Namen hat, bedeutet also nicht, dass er künstlich oder schädlich ist.
Die Nomenklatur dient lediglich dazu, die im Produkt enthaltenen Substanzen präzise zu identifizieren.
Wie erkennt man ein hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel?
Anstatt herauszufinden, ob ein Produkt „chemisch“ oder „natürlich“ ist, ist es relevanter, seine Qualität anhand mehrerer objektiver Kriterien zu bewerten.
1. Die Qualität der Rohstoffe
Die Qualität eines Nahrungsergänzungsmittels beginnt mit der Qualität der verwendeten Inhaltsstoffe.
Die Herkunft der Rohstoffe, ihre Reinheit, Stabilität und Rückverfolgbarkeit sind wesentliche Elemente.
Einige Marken wählen zum Beispiel Rohstoffe aus, die einem präzisen Lastenheft oder einer umfangreichen wissenschaftlichen Dokumentation entsprechen.
2. Die Dosierung
Ein gutes Nahrungsergänzungsmittel beschränkt sich nicht auf eine lange Liste von Inhaltsstoffen.
Es muss auch sichergestellt sein, dass die Dosierungen mit dem angestrebten Ziel übereinstimmen und den in der wissenschaftlichen Literatur verfügbaren Daten entsprechen, sofern diese vorhanden sind.
Umgekehrt bringt eine Vielzahl von unterdosierten Inhaltsstoffen nicht unbedingt einen zusätzlichen Nutzen.
3. Transparenz
Ein transparenter Hersteller gibt klar an:
- die verwendeten Inhaltsstoffe;
- ihre genaue Menge;
- ihre Form, wenn relevant;
- eventuell vorhandene Hilfsstoffe in der Formel.
Diese Transparenz ermöglicht es dem Verbraucher, zu verstehen, was er konsumiert, und Produkte leichter zu vergleichen.
4. Qualitätskontrollen
Die Herstellung eines Nahrungsergänzungsmittels geht in der Regel mit verschiedenen Kontrollen einher, die dazu dienen, die Konformität des Produkts zu überprüfen.
Je nach Hersteller können diese Kontrollen insbesondere Folgendes betreffen:
- die Identität der Rohstoffe;
- ihre Reinheit;
- ihre Stabilität;
- das Fehlen bestimmter Kontaminanten;
- die Konformität der Dosierungen.
Die Qualität eines Nahrungsergänzungsmittels hängt also mehr von seinem Herstellungsprozess ab als von der bloßen Tatsache, dass es Inhaltsstoffe mit wissenschaftlichen Namen enthält.
Sind Nahrungsergänzungsmittel reguliert?
Ja.
In Frankreich wie in der Europäischen Union unterliegen Nahrungsergänzungsmittel einem spezifischen Regelwerk.
Die verwendeten Inhaltsstoffe, die maximalen Dosen bestimmter Nährstoffe, die Kennzeichnungsvorschriften sowie die nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben sind geregelt.
Hersteller müssen insbesondere die für die Lebensmittelsicherheit geltenden Anforderungen erfüllen.
Darüber hinaus sind nicht alle Marketingversprechen erlaubt.
Die auf den Produkten verwendeten gesundheitsbezogenen Angaben müssen der geltenden Gesetzgebung entsprechen.
Das bedeutet, dass ein Nahrungsergänzungsmittel nicht willkürlich beliebige gesundheitliche Wirkungen beanspruchen kann.
Das eigentliche Problem ist nicht „chemisch“, sondern „falsch gewählt“
Wenn ein Nahrungsergänzungsmittel nutzlos, falsch dosiert oder für das angestrebte Ziel ungeeignet ist, liegt das Problem nicht daran, dass es „chemisch“ ist.
Es liegt vielmehr daran, dass es nicht den Bedürfnissen der Person entspricht, die es konsumiert.
Ein Nahrungsergänzungsmittel kann beispielsweise sein:
- nutzlos in einer bestimmten Situation;
- unangepasst an das angestrebte Ziel;
- unterdosiert;
- überdosiert;
- von unzureichender Qualität.
Umgekehrt kann ein gut formuliertes, richtig dosiertes und bei ernährungsphysiologischem Bedarf eingesetztes Ergänzungsmittel seinen Platz in einer ausgewogenen Ernährung perfekt finden.
Die Überlegung sollte sich daher nicht auf das Wort „chemisch“ beziehen, sondern auf die Relevanz des Produkts.
Die häufigsten Missverständnisse
„Alles, was chemisch ist, ist schlecht“
Falsch.
Alle Lebensmittel bestehen aus chemischen Molekülen.
Der Begriff „chemisch“ gibt weder Auskunft über die Qualität noch über die Sicherheit eines Produkts.
„Natürlich bedeutet harmlos“
Falsch.
Eine natürliche Substanz kann je nach Dosis, Anwendungsbereich oder möglichen Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten auch Risiken bergen.
„Komplizierte Namen sind zwangsläufig gefährliche Zusatzstoffe“
Falsch.
Viele wissenschaftliche Namen entsprechen einfach Vitaminen, Mineralien oder Substanzen, die natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommen.
„Je mehr Inhaltsstoffe ein Nahrungsergänzungsmittel enthält, desto besser ist es.“
Nicht unbedingt.
Die Qualität einer Formel hängt vor allem von der Relevanz der Inhaltsstoffe und deren Dosierung ab.
„Alle Nahrungsergänzungsmittel sind gleichwertig.“
Falsch.
Die Rohstoffe, die Herstellung, die Qualitätskontrollen und die Transparenz können von Hersteller zu Hersteller variieren.
Wie wählt man ein Nahrungsergänzungsmittel intelligent aus?
Bevor man ein Nahrungsergänzungsmittel auswählt, kann es hilfreich sein, sich einige einfache Fragen zu stellen:
- Erfüllt es einen echten Bedarf?
- Ist die Zusammensetzung klar und transparent?
- Sind die Dosierungen konsistent?
- Sind die Inhaltsstoffe klar identifiziert?
- Kommuniziert der Hersteller über die Qualität seiner Rohstoffe?
Diese Kriterien sind in der Regel viel relevanter als das bloße Vorhandensein wissenschaftlicher Namen auf dem Etikett.
Was man sich merken sollte
- Alles, was wir essen, besteht aus chemischen Molekülen.
- Das Wort „chemisch“ bedeutet nicht automatisch „gefährlich“.
- Das Wort „natürlich“ bedeutet nicht automatisch „risikofrei“.
- Die Qualität eines Nahrungsergänzungsmittels hängt hauptsächlich von seinen Inhaltsstoffen, deren Reinheit, Dosierung und den durchgeführten Kontrollen ab.
- Nahrungsergänzungsmittel unterliegen einer spezifischen Regulierung.
- Ein Molekül bleibt identisch, ob es aus einer natürlichen Quelle stammt oder synthetisch hergestellt wird, wenn es sich um dieselbe Substanz handelt.
- Die richtige Vorgehensweise besteht darin, die Zusammensetzung zu lesen und die Qualität des Produkts zu bewerten, anstatt sich vor wissenschaftlichen Namen zu fürchten.
- Die eigentliche Frage ist nicht: „Ist es chemisch?“, sondern „Was enthält dieses Nahrungsergänzungsmittel wirklich und ist es für meinen Bedarf geeignet?“
Nahrungsergänzungsmittel sind nicht „voller gefährlicher Chemikalien“. Wie alle Lebensmittel bestehen sie aus Molekülen. Was ihr Interesse bestimmt, ist vor allem die Qualität der Inhaltsstoffe, ihre Dosierung, ihre Rückverfolgbarkeit und ihre Verwendung in einem geeigneten Kontext.
Wissenschaftliche und regulatorische Quellen
- Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel.
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel.
- ANSES. Nahrungsergänzungsmittel: Definition und Empfehlungen.
- EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit). Wissenschaftliche und technische Leitlinien für die Bewertung von gesundheitsbezogenen Angaben.
- Paracelsus. „Die Dosis macht das Gift“ (Gründungsprinzip der modernen Toxikologie).